Eva MacPherson Autor: Eva MacPherson Ernährungsberaterin

Was ist Divertikulitis? | Gefahren und Behandlung von Dickdarm Divertikulitis

Hauptursache von Divertikulitis ist eine ballaststoffarme Ernährung

Divertikulitis ist eine Zivilisationskrankheit, dahinter oft ungesunde Ernährung und chronische Verstopfung steht. Im Darm entstehen sackförmige Ausstülpungen, sogenannte Divertikel. Wenn sie sich entzünden, heißt das Divertikulitis. Die Divertikel befinden sich im Verdauungstrakt, vor allem im Dickdarm, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. Ernste Gesundheitsfolge bedeuten sie, wenn die Divertikel sich entzünden und zu Darmentzündung, also Divertikulitis führen.

Hauptursache von Divertikulitis ist der Mangel an Ballaststoffen. Die Krankheit ist bekannt, seitdem man industriell verarbeitete und ballaststoffarme Lebensmittel verzehrt und weniger Obst- und Gemüse und Hülsenfrüchte zu sich nimmt. Daher kommt Darmentzündung nur in den Industrieländern vor.

Ursacher der Darmentzündung

Wer sind davon am stärksten betroffen? Die Antwort ist offensichtlich. Verzehren Sie Weißbrot statt Vollkornbrot? Nehmen Sie täglich nicht 500 g rohes, oder gedünstetes Obst- und Gemüse zu sich? Leiden Sie unter anhaltender Verstopfung? Sind Sie über 40? Wenn Sie alle Fragen mit „ja” beantwortet haben, dann ist Sie der Gefahr von Darmentzündung ausgesetzt.


Der Dickdarm ist der empfindlichste Teil des Verdauungstraktes. Bei Divertikulitis entstehen kleine sackartige Ausstülpungen an der Dickdarmschleimhaut, sie heißen Divertikel. Bei zahlreichen Divertikeln handelt es sich um Dickdarm Divertikulosis. Divertikel entstehen während Stuhlentleerung an der Darmwand, wo die Darmmuskulatur schwächer ist. In den meisten Fällen ist es im Sigmadarm und im absteigenden Kolon, weil während der Entleerung hartes Stuhls (Defäkation) entsteht erhöhte Spannung im Darm, was zu Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut führt.

Die sackartigen Ausstülpungen entstehen an der Dickdarmwand. Sie sind ballonförmig, sehen ebenso aus wie am Fahrradreifen entstehende Ausstülpungen. Divertikel haben eine Größe von 3 bis 30 mm. Unter 40 kommt das Problem selten vor. Mit zunehmendem Alter wächst das Risiko für Darmentzündung und über 80 ist fast jeder ein Divertikelträger. Warum? Hauptursachen des Problems sind ballaststoffarme Ernährung, Übergewicht, chronische Verstopfung, altersbedingte nachlassende Gewebespannung, eine Kortikoidtherapie, Chemotherapie und die Anwendung von Immunsuppressiva.

Divertikulitis steht in enger Zusammenhang mit der Lebensstil und Ernährung. Diese Erkrankung kommt bei Naturvölkern gar nicht vor. In der Vergangenheit, wenn man genug Ballaststoffe zu sich nahm, war Darmentzündung völlig unbekannt. Das Problem kann darauf zurückgeführt werden, dass die Nahrung in der heutigen modernen Welt sehr ballaststoffarm ist, was zu Verstopfung führt. Ballaststoffe machen den Stuhl weicher, die Spannung im Darmtrakt nachlässt und der Stuhl kann problemlos entleert werden. Mit der erhöhten Ballaststoffzufuhr kann man das Risiko für Darmentzündung senken, oder das Problem sogar vorbeugen und damit die unangenehmen Beschwerden von Divertikulitis vermeiden.

Symptome von Divertikulitis

In den meisten Fällen spürt man keine Beschwerden. Manchmal treten Bauch- und Unterbauchschmerzen, Völlegefühl, Blähungen, oder Stuhlentleerungsprobleme vor. Darmentzündung kann aber auch lebensbedrohliche Komplikationen haben. Wenn in einem Divertikel sich Lebensmittelreste ablagern und entzünden, kann die Entzündung sich ausbreiten und z.B. hohes Fieber und Schmerzen im linken Unterbauch herbeiführen. Blutung während der Stuhlentleerung weist auf eine Entzündung hin.

Was sind die Gefahren?

Blut im Stuhl kann auf Divertikulitis zurückgeführt werden. Eine Darmentzündung kann die Gefäße schädigen und Blutung verursachen. Wenn das entzündete Divertikel perforiert, gelangt Stuhl in die Bauchhöhle, was zu lebensgefährlicher Bauchfellentzündung (Pertionitis) führen kann. In diesem Fall sind heftige Bauchschmerzen, Spannung im Bauch, Erbrechen, Darmgasentleerungprobleme und Fieber typische Symptome. Der Ablauf der Darmentzündung kann langsam sein und die Entzündung kann sich auf die umliegenden Gewebe ausbreiten. Manchmal entstehen sogar Abszesse und Fisteln. Diese sind abnormale, röhrenartige Verbindungen zwischen dem Darm und der Harnblase oder anderen Organen. Durch Fisteln können Bakterien in die Organe gelangen. Bei Frauen entstehen oft Fisteln zwischen dem Dickdarm und dem Scheiden, was weißen Scheidenausfluss, oder die Anwesenheit von Bakterien und weißen Blutkörperchen im Harn herbeiführt. Schmerzen und Brenngefühl treten während dem Harnlassen vor und eine Blasenentzündung kann sogar nach einer Antibiotikakur wiederkehren.

Wie kann sie behandelt werden?

Bei Bauchschmerzen und Blut im Stuhl wird eine ärztliche Behandlung benötigt

Bei Bauchschmerzen, Blut im Stuhl und bei weiteren Symptomen von Divertikulitis sollte man den Arzt unbedingt aufsuchen. Schmerzen im linken Unterbauch können mit Hilfe einem kalten Umschlag gelindert werden. Warmen Umschlag darf man nicht benutzen, da er die Entzündung verschlimmert und zur Perforation des Divertikels führen kann. Eine unkomplizierte Divertikulitis lässt sich mit Antibiotika und Flüssigkeitsdiät behandeln, die den Belastung des Darmtraktes lindern. Die Beschwerden werden meistens in ein paar Tagen weg. Eine Ernährungsumstellung auf Schonkost wird benötigt und man darf nur breiige Lebensmittel verzehren. Rohes Obst- und Gemüse, Vollkornbackwaren, Körner, Mais, scharfe Gewürze, Alkohol und koffeinhaltige Getränke sollten vermieden werden.

Bei akuter Darmentzündung (Divertikulitis), Darmperforation und Bauchfellentzündung braucht man ärztliche Hilfe. In diesen Fällen sollte man die Chirurgie sofort aufsuchen, weil eine Behandlung im Krankenhaus, oder eine Operation nötig sein kann. Vor der Untersuchung darf man nichts verzehren.

Kann man Komplikationen vermeiden?

Als Vorsorge sollte man ballaststoffreiche Lebensmittel zu sich nehmen. Ballaststoffe vergrößern das Stuhlvolumen und extreme Muskelkontraktion im Dickdarm kann damit vermieden werden. Es hilft bei der Vorbeugung von Divertikeln und Stuhlablagerungen in vorhandenen Divertikeln und damit deren Vergrößerung und Entzündung.

Ballaststoffe spielen daher eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung der Komplikationen, wie z.B. Darmentzündung, oder die Perforation des Dickdarmes. Nach der Diagnose von Divertikulitis wird der Arzt eine Ernährungsumstellung empfehlen, um die Operation vorzubeugen, die normalerweise bei Komplikationen meistens nötig ist. Es ist ratsam, ballaststoffreiche Lebensmittel zu verzehren und auf raffinierte Lebensmittel zu verzichten, da sie Verstopfung, die Hauptursache von Divertikulitis, herbeiführen.

Man sollte die Ernährungsgewohnheiten verändern

Um Divertikulitis zu beheben, ist eine Ernährungsumstellung auf eine Schonkost nötig

Um Komplikationen vorzubeugen ist es ratsam, ballaststoffreiche Nahrung zu verzehren. Die besten Ballaststoffquellen sind Hülsenfrüchte, Vollkornbrot und Vollkornbackwaren – man kann Gerichte auch mit Kleie bestreuen. Daneben ist es wichtig, Gemüsesorten in verschiedenen Formen (roh, gedünstet, eingelegt, oder Sauerkraut) zu uns zu nehmen. Obstsorten sollten nicht geschält werden, da die Schale auch als Ballaststoffquelle dient. Fruchtsaft enthält keine Ballaststoffe. Weitere Ballaststoffquellen sind Rosinen, Pflaume, Aprikose und Dattel. Man sollte darauf achten, die Ballaststoffzufuhr stufenweise zu erhöhen und auf einmal nicht zu viel Ballaststoffe zu unseren Speiseplan hinzufügen. Es ist ratsam, einen Ernährungsplan für 6-8 Wochen zu machen, so dass die Verdauungsorgane sich an die ballaststoffreiche Ernährung gewöhnen können. Bei Menschen mit einer ballaststoffarmen Ernährung kann eine erhöhte Ballaststoffzufuhr in den ersten ein paar Wochen Blähungen und Darmwinde verursachen.

Psyllium- eine wasserlösliche Ballaststoffquelle

Der regelmäßige Psylliumkonsum kann bei der Vorbeugung von Divertikulitis helfen

Wenn man kein genug Ballaststoffe mit der Nahrung zu sich nehmen kann, wird eine zusätzliche Ballaststoffzufuhr benötigt. Psyllium ist das beste natürliche Ballaststoffquelle. Es ist Flohsamenschalen, die Samenschalen der Pflanze Plantago ovata. In Flüssigkeit verrührt quillt es und hat ein 40 fach größeres Volumen. Bestimmte Getreidearten (Hafer und Gerste) enthalten ähnliche wasserlösliche Fasern, wie das Psyllium. Der Unterschied besteht aber darin, dass Flohsamenschalen besondere Ballaststoffe, ähnlich wie in Haferflocken enthalten. Mit der regelmäßigen Psylliumkonsum kann man eine gesunde Verdauungstrakt haben, da es für eine optimale Funktion des Dünn- und Dickdarmes sorgt.

Ballaststoffe binden viel Wasser und können das Stuhlvolumen vergrößern, was die Stuhlentleerung fördert. Man sollte Flohsamenschalen auf folgende Weise einnehmen: Psyllium zu 200 ml Flüssigkeit (Wasser, Milch, Fruchtsaft), Joghurt, oder Buttermilch dazugeben, verrühren und sofort trinken. Danach ist es ratsam, noch 250 ml Wasser zu trinken. Es ist wichtig, auf die regelmäßige Flüssigkeitszufuhr zu achten!

Was darf man nicht verzehren?

Industriell verarbeitete Lebensmittel sollten vermieden werden. Bei Divertikulitis sind sie besonders schädlich. Zu diesen Lebensmitteln gehören Fleische, Süßigkeiten, fettreiche Lebensmittel und Backwaren aus Weißmehl. Daneben sollte man auf Himbeeren, Erdbeeren, Brombeeren, Feige und Tomate verzichten, weil die Samen in den Divertikeln ablagern und das zu Entzündung führen kann. Ölige Körner sollte man gründlich kauen, da sie auch Darmentzündung verursachen können. ACHTUNG! Bei komplizierter Divertikulitis darf man diese Lebensmittel gar nicht essen. Außerdem sollte man auch Koffein vermeiden, da es ähnlicherweise, wie Kohlensäure den Darmtrakt irritiert. Alkohol darf nur in Maßen getrunken werden. 1 Glas Alkohol pro Tag sorgt für die Entspannung des Darmtraktes und kann wohltuend auf die Divertikel wirken.

Weitere Empfehlungen

Es ist unbedingt nötig, auf Folgende zu achten:

  • Genug Flüssigkeitszufuhr: Es ist ratsam, täglich 300-400 ml Flüssigkeit pro 10 kg des Körpergewichts zu trinken, also durchschnittlich 6-8 Gläser Wasser, Kräutertee und stilles Mineralwasser. Mit dem Flüssigkeitszufuhr kann man Verstopfung, das Begleitsymptom von Divertikulitis, lindern. Hohe Spannung der Darmwand während Stuhlentleerung kann zur Vergrößerung kleinerer Divertikel führen.
  • Regelmäßiger Stuhlgang: Der Stuhlgang darf bei Stuhldrang nicht unterdrückt werden, weil es die Vergrößerung der Divertikel herbeiführen kann.
  • Regelmäßige Körperbewegung: Für die Vorbeugung und Behandlung von Divertikeln ist regelmäßige Körperbewegung unentbehrlich. Regelmäßiges Training hilft bei der Stärkung der Bauch- und Darmmuskulatur, was die Stuhlentleerung optimiert und fördert.
  • Abführmittel und Zäpfchen darf man nicht anwenden: Am Anfang lindern sie Verstopfung, aber nach einiger Zeit wirken sind sie wirkungslos. Bei Verstopfung sollte man eher natürliche Mittel verwenden, die den Stuhlgang fördern und gegen Verstopfung wirken. Z.B. Trockenpflaume, Pflaumensaft, Sauerkraut, Krautsaft, Oliven- oder Leinsamenöl (3 Löffel pro Tag vor den Mahlzeiten), Leinsamen, Kräutertees, Kräuterteemischungen, wie Slim Tea.
  • Das Rauchen aufgeben: Rauchen verschlimmert Divertikulitis.
  • Regelmäßige Entgiftung des Organismus: Die beste Zeit für eine Reinigungskur ist Herbst, wenn zahlreiche Obst- und Gemüsesorten zur Verfügung stehen. Oder Frühjahr, wenn der Organismus nach dem Winter-Festessen eine Regeneration braucht. Eine Darmreinigung und Entgiftung sollte immer der erste Schritt vor einem „Großreinigung” sein.

Eine richtig durchgeführte Darmreinigungskur:

  • Fördert die natürliche Entleerung
  • Bringt eine Erleichterung bei Verstopfung und Hämorrhoiden
  • Sorgt für ein Sattgefühl, lindert damit das Hungergefühl und beugt der unnötigen Verzehr von energiereichen Lebensmittel vor und hilft damit bei der Gewichtsreduktion
  • Schützt die Darmschleimhaut vor giftigen und krebserregenden Stoffen
  • Senkt das Risiko für Dickdarm- und Enddarmkrebs
  • Senkt das Risiko für die Bildung neuer Divertikel und für Darmentzündung

Quelle:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5265196/

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